Zurück von der Grünen Insel
von Bernd LorenzDieStory von Moritz Natzke könnte der Stoff für einen Hollywood-Streifensein. Als kleiner Junge taucht er mit seinem Vater in Irland unter. Ohneeinen Schulabschluss kehrt er mit 20 Jahren nach Leichlingen zurück. ImLehmbaubetrieb von Ralf Stöcker arbeitet er zunächst als Helfer,beginnt dann aber noch eine Ausbildung. Nach zwei Jahren schließt ersie als Jahrgangsbester ab. Ganz ohne Hilfe wäre dies aber nichtmöglich gewesen.
Fast wäre es sogar Südamerika geworden. Dader Vater kein Sorgerecht für die Kinder hat, will er mit seinem Sohnund seiner Tochter von Irland aus nach Kolumbien fliehen. Doch der Planscheitert an der fehlenden Schiffsverbindung. Um unerkannt zu bleiben,müssen sie auf der Grünen Insel untertauchen. Moritz Natzke ist zudiesem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Normalerweise würde er nuneingeschult werden. Aber daraus wird nichts. Die Familie lebt ziemlichisoliert. Sobald die Nachbarn zu neugierig werden, wird der Wohnortgewechselt. „Unser Vater hat darauf geachtet, dass wir möglichst keinenKontakt zu anderen Kindern haben“, erinnert sich der heute 25-Jährige.Zumindest bringt er ihnen ein bisschen Lesen, Schreiben und Rechnenbei. „Das kleine Einmal-eins konnte ich, aber bei Prozentrechnung hörtees dann auf.“
Als junger Erwachsener hat Moritz Natzke genug von dem Versteckspiel. „Ich bin von Natur
aus ein Mensch, der gerne arbeitet.“ Doch auch auf der Grünen Insel läuft nichts ohne offizielle
Erlaubnis. Nachdem er sich bei den Behörden gemeldet hat, steigt er im Tief- und Betonbau ein.
Einen Kurzurlaub in Deutschland nutzt er, um nach vierzehn Jahren seine Mutter wiederzusehen.
Die macht gleich Nägel mit Köpfen und versucht, ihren Sohn in Leichlingen zu halten. Einer ihrer
Bekannten fragt auch bei Ralf Stöcker nach. „Du, da ist jemand aus Irland zurückgekommen“,
erinnert sich der Bauunternehmer an das Gespräch zurück. Noch während der Ferien arbeitet Moritz
bei ihm drei Tage zur Probe. Stöcker ist von ihm begeistert. Vor der Abreise nach Irland einigen sie
sich darauf, dass der junge Mann im Frühjahr wiederkommen kann. Zunächst geht Moritz seinem
Chef für drei Jahre als Helfer zur Hand. Im Jahr 2006 beginnt er schließlich eine Maurer-Lehre.
aus ein Mensch, der gerne arbeitet.“ Doch auch auf der Grünen Insel läuft nichts ohne offizielle
Erlaubnis. Nachdem er sich bei den Behörden gemeldet hat, steigt er im Tief- und Betonbau ein.
Einen Kurzurlaub in Deutschland nutzt er, um nach vierzehn Jahren seine Mutter wiederzusehen.
Die macht gleich Nägel mit Köpfen und versucht, ihren Sohn in Leichlingen zu halten. Einer ihrer
Bekannten fragt auch bei Ralf Stöcker nach. „Du, da ist jemand aus Irland zurückgekommen“,
erinnert sich der Bauunternehmer an das Gespräch zurück. Noch während der Ferien arbeitet Moritz
bei ihm drei Tage zur Probe. Stöcker ist von ihm begeistert. Vor der Abreise nach Irland einigen sie
sich darauf, dass der junge Mann im Frühjahr wiederkommen kann. Zunächst geht Moritz seinem
Chef für drei Jahre als Helfer zur Hand. Im Jahr 2006 beginnt er schließlich eine Maurer-Lehre.
Handwerklich hat er keine Probleme, wohl aber mit der Schule. Die Klasse ist groß, viele Mitschüler
haben keine Lust, erklärt wird wenig. „Alles Scheiße“, bekommt Ralf Stöcker anfangs oft von seinem
Azubi zu hören. „Die ersten Klassenarbeiten konnte ich alle in den Müll schmeißen“, blickt Moritz
Natzke zurück. Schwächen hat er vor allem in Mathematik, in Zeichnen sowie in Wirtschafts- und
Sozialkunde. Ausgebügelt werden sie schrittweise mittels ausbildungsbegleitender Hilfen (abH)
der Agentur für Arbeit. Die dazu nötige Nachhilfe bietet der Träger „Lernen Fördern“ in Bergisch
Gladbach an. Grundlage ist ein individuell ausgearbeitetes Lernkonzept, in dem auch Zielvorgaben
vereinbart werden. „In Hochzeiten bin ich drei- bis viermal die Woche nach der Arbeit dort
hingefahren.“ Im Nachhinein ist Moritz Natzke vor allem von der ausgewogenen Mischung angetan.
„Nachdem wir viel gelernt hatten, konnten wir auch mal Tischtennis spielen, um uns zu entspannen.“
haben keine Lust, erklärt wird wenig. „Alles Scheiße“, bekommt Ralf Stöcker anfangs oft von seinem
Azubi zu hören. „Die ersten Klassenarbeiten konnte ich alle in den Müll schmeißen“, blickt Moritz
Natzke zurück. Schwächen hat er vor allem in Mathematik, in Zeichnen sowie in Wirtschafts- und
Sozialkunde. Ausgebügelt werden sie schrittweise mittels ausbildungsbegleitender Hilfen (abH)
der Agentur für Arbeit. Die dazu nötige Nachhilfe bietet der Träger „Lernen Fördern“ in Bergisch
Gladbach an. Grundlage ist ein individuell ausgearbeitetes Lernkonzept, in dem auch Zielvorgaben
vereinbart werden. „In Hochzeiten bin ich drei- bis viermal die Woche nach der Arbeit dort
hingefahren.“ Im Nachhinein ist Moritz Natzke vor allem von der ausgewogenen Mischung angetan.
„Nachdem wir viel gelernt hatten, konnten wir auch mal Tischtennis spielen, um uns zu entspannen.“
Schließlich konnte er die Lehre sogar von drei auf zwei Jahre verkürzen. Möglich war dies aber nur,
weil Ralf Stöcker auf seinen betrieblichen Block verzichtet und sich dafür eingesetzt hat, dass sein
Azubi den zweiten und dritten Unterrichtsblock der Berufsschule in einem Jahr durchlaufen konnte.
mit der Note 1,1 als Jahrgangsbester bestanden und gleichzeitig noch die Mittlere Reife
gemacht. „Ohne abH wäre daraus nichts geworden“, ist Moritz Natzke überzeugt.
weil Ralf Stöcker auf seinen betrieblichen Block verzichtet und sich dafür eingesetzt hat, dass sein
Azubi den zweiten und dritten Unterrichtsblock der Berufsschule in einem Jahr durchlaufen konnte.
„Sein Klassenlehrer war zuerst dagegen, aber die positiven Noten kurz vor dem Halbjahreszeugnis
haben ihn schließlich überzeugt“, so der Betriebsinhaber. Die Abschlussprüfung hat Moritz Natzke mit der Note 1,1 als Jahrgangsbester bestanden und gleichzeitig noch die Mittlere Reife
gemacht. „Ohne abH wäre daraus nichts geworden“, ist Moritz Natzke überzeugt.
“Deutsches Handwerksblatt” - Ausgabe 4 - Donnerstag, 19.Februar 2009



